ZwischenZeitZentrale Bremen

Kunst statt Wurst in der Könecke-Halle - Bürger, Bürgerinnen und Fachleute sammeln Ideen für Hemelingen

Eintrag von am 24.07.2014

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Von Karin Mahlstedt
Hemelingen. In einer Halle der ehemaligen Fleischwarenfabrik Könecke haben sich am Dienstagabend etwa 50 Bürger und Aktive aus Hemelingen und umzu Gedanken über temporäre und langfristige Veränderungen im Stadtteil gemacht. Die ZwischenZeitZentrale will jetzt konkrete Projektideen für leer stehende Räume und Brachflächen entwickeln.

Wie können leer stehende Gebäude oder Brachflächen in Hemelingen zeitlich begrenzt oder auch langfristig genutzt werden? Diese Frage haben sich am Dienstagabend Fachleute und Bürger aus Hemelingen und umzu gestellt. Die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) hatte zu einem Workshop in die ehemalige Fleischwarenfabrik Könecke eingeladen. Die Ergebnisse will sie jetzt auswerten.

In einer großen Halle, der ehemaligen Endauslieferung der Fabrik, gab es am Dienstag Tofu statt Wurst. Die Mitarbeiter der ZZZ hatten grüne Stühle aufgestellt. Rund 50 davon waren besetzt, als Architekt Jan Kampshoff aus Münster als Anregung für Ideen für Hemelingen einige Projekte auf Zeit vorstellte, die sein Büro „modulorbeat" umgesetzt hat. Ein in den Schnee gezeichnetes Labyrinth war sein einfachstes Beispiel für eine Veränderung eines Platzes auf Zeit.

Auch mit großen Sitzsäcken, die an verschiedenen Stellen in der Stadt unterschiedlich gestapelt werden, haben die Architekten schon gearbeitet. Auf dem Domplatz in Münster durften sie als Ergänzung zu einer Ausstellung über mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen für drei Monate einen von außen goldenen Pavillon einer Schmuckwerkstatt aufstellen.

Auch einen Open-Air-Club aus zu Leuchtobjekten umfunktionierten Behältern, in denen normalerweise Flüssigkeiten transportiert werden, haben die Architekten in Berlin schon für drei Monate aufgebaut. Ein Beispiel für eine Zwischennutzung, die sich verstetigt hat, ist das Büro der Architekten selbst: Seit zehn Jahren arbeiten sie in einem ehemaligen Gemüseladen. Der Vertrag wird jedes Jahr verlängert.

Nach dem Vortrag von Jan Kampshoff ging es an vier Tischen weiter. Unterschiedliche Fragen standen im Mittelpunkt: Wo stehen Räume oder Flächen leer? Was könnte man in leer stehenden Räumen und auf Brachflächen machen? Wer könnte aktiv werden? Welche Bedarfe gibt es im Stadtteil? Die Ideen schrieben die Hemelinger und die ZZZ-Mitarbeiter direkt auf die Tischdecken aus Papier. Jede Gruppe kam an jeden Tisch.

Zu den Orten, die Platz für Nutzungen bieten, gehören zum Beispiel das Könecke-Gelände, Leerstände in der Hemelinger Bahnhofstraße und Flächen am Hemelinger Hafen und der Tamra-Hemelingen-Park. Aber auch ein Theaterstück unter dem Autobahnzubringer war eine Idee. Quartiersmanagerin Heike Schilling notierte als Orte den Hemelinger und den Sebaldsbrücker Tunnel.

Bedarf sehen die Workshop-Teilnehmer zum Beispiel in der Verbesserung der Infrastruktur, des Nahverkehrs und der Zuwegung zum Wasser. Auch Ruhezonen, mehr Grünflächen, ein Wochenmarkt, Arbeitsplätze und mehr Einzelhandel, Proberäume, bezahlbare Cafés, Sitzgelegenheiten auf Grünflächen und ein Kulturfestival schlugen sie vor.

Ein Indoor-Drachenfest notierte Kai Hofmann, für die Grünen im Beirat Hemelingen, auf der Ideen-Liste für die Könecke-Gebäude. Auch ein Paintball-Match, Bürger gegen Politiker, und eine E-Carsharing-Station schlug er vor. „Wir haben im Stadtteil immer das Problem mit Ausgleichsmaßnahmen", sagte er zudem. „Vielleicht können wir Brachen in dem Rahmen für den Stadtteil auch dauerhaft zurückgewinnen."

Auch Indoor-Camping, ein (Vor-)Lesecafé für Grundschüler und Auslaufflächen für Hunde landeten auf der Ideenliste, genau wie Hallenflohmärkte oder ein Stellplatz für Wohnmobile. Als Akteure fielen den Anwesenden zum Beispiel die Bürger, das Bürgerhaus Hemelingen, Jugendliche, Musiker, Theatermacher, Kitas und der Arbeitskreis Alte Vielfalt ein. Eine Künstlerin sagte, sie würde gerne die große Könecke-Halle nutzen. Ein junger Mann sagte, er suche noch Räume für ein veganes Café. Etwas Außergewöhnliches im Bereich Gastronomie könne sie sich gut vorstellen, sagte Stadtteilmanagerin Birgit Benke.

Die Mitarbeiter der ZZZ wollen jetzt gucken, welche Ideen in welchem Zeitraum umgesetzt werden könnten. Dass am Werrahafen im Projekt „Bay-Watch" mit Architektur experimentiert werden soll, steht schon fest (wir berichteten). Ihre Erfahrungen mit den Projekten wollen sie im Rahmen eines europaweiten Programmes an Städte in Italien und Rumänien weitergeben.

Wer weitere Ideen hat, kann sich direkt an die ZZZ wenden. (c) Weser Kurier, Bremen, Ausgabe SOS vom 24.07.2014, Karin Mahlstedt, Foto:Petra Stubbe


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