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"Komplette Palette" auch 2018

Eintrag von am 24.11.2017

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Beirat stimmt für eine Neuauflage des Kulturprojekts – Anwohner klagen über Lärm

Hemelingen. Sie wollen weitermachen, aber dürfen sie auch? Das war die Frage, die sich in der jüngsten Sitzung des Beirates Hemelingen stellte. Zur Diskussion stand eine Verlängerung des Kunst- und Musikprojekts „Die Komplette Palette“ des Musikers Immo Wischhusen am Hemelinger Hafen.

Schon im Vorfeld hatte sich der Beirat mit den Organisatoren der „Palette“, dem benachbarten Wassersportverein Hemelingen (WVH) und Vertretern von Polizei und Feuerwehr zusammengesetzt und das Für und Wider diskutiert. In der Beiratssitzung erneuerten außerdem Anwohner ihre Beschwerden. Sie klagten, ebenso wie der Wassersportverein, über eine hohe Lärmbelastung. Rolf Hohenstein, Vorsitzender des Vereins, betonte zunächst die gute Zusammenarbeit mit dem Musiker. „Es wurden sehr konstruktive und ordentliche Gespräche geführt, und wir hatten uns darauf geeinigt, drei lange Veranstaltungen stattfinden zu lassen.“ Seine Kritik richte sich daher nicht an Immo Wischhusen. Aber: „Es hat erhebliche Beschwerden gegeben, es sind Gäste gegangen, weil es so laut war.“ Es ginge nicht um die Nachtruhe, sondern um den Tageslärm.

„Es gab Beschwerden, wenn Veranstaltungen waren, es gab aber auch Beschwerden, als wir keine Veranstaltung hatten“, erwiderte Immo Wischhusen. Veranstaltungen fänden nur an wenigen Tagen statt, und auch er habe erst experimentieren müssen, wie die Lautsprecher optimal angelegt und ausgerichtet werden könnten. Er erinnerte außerdem daran, dass neben den Konzerten das Gelände auch für andere Veranstaltungen genutzt worden sei.

Edna Lüttmann vom Bürgerhaus Mahndorf plädierte für Kompromisslösungen. „Ich arbeite mit beiden zusammen und finde, man muss Kompromisse eingehen und beiden den Raum geben.“ In einer Großstadt müsse nun mal mit Lärm gerechnet werden. In der Diskussion, die auch von den Bürgerschaftsabgeordneten Kai Wargalla (Grüne) und Marco Lübke (CDU) beobachtet wurde, zeigte sich aber auch, wie unterschiedlich Lärm wahrgenommen wird. Während eine Anwohnerin der Hemelinger Rampe, die direkt entlang der Bahngleise nach Osnabrück liegt, von einer großen Einschränkung ihrer Lebensqualität durch die „Palette“ sprach, will eine Nachbarin von dem Kunstprojekt gar nichts gehört haben.

Hannelore Sengstake (CDU) schlug dann auch eine objektive Lärmobergrenze vor. „Denn ich finde es auch nicht gut, von Lärm zugedröhnt zu werden.“ Michael Bürger, Referatsleiter Immissionsschutz beim Senator für Bau und Umwelt: „Wenn Wohngebiete in der Nähe sind, gibt es natürlich Grenzwerte.“ Was helfen könnte, wären Lärmmessungen. Tatsächlich habe es schon vor Beginn der „Palette“ eine Lärmprognose gegeben, erklärte Immo Wischhusen. „Da wurde anhand der Anlage berechnet, wie die Schallausbreitung nach Hemelingen und auch nach Habenhausen ist.“

Einen anderen Blick brachte ein junger Mann in die Diskussion ein. „Wir hatten dort als Familie mit unserer siebenjährigen Tochter eine wunderbare Zeit, mit Hemelingern, mit anderen Familien.“ Er wohne auf dem Land. „Da habe ich eigentlich mit Ruhe gerechnet.“ Aber mit Verweis auf Schützenfeste und Kohlfahrten ergänzte er: „Aber auch dort gibt es Lärm, den ich ertragen muss.“ Das Gelände im Hemelinger Hafen habe brachgelegen, und die Arbeit der Freiwilligen habe es überhaupt erst wieder zugänglich gemacht.

Jens Dennhardt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins: „Man muss festhalten, dass es besser gelaufen ist, als gedacht.“ Positiv hob er hervor, dass das Projekt an Hemelingen angebunden gewesen sei. „Das war kein Ufo, das hier gelandet ist.“ Gemeint ist damit, dass die „Palette“ für Gruppen, Vereine und Initiativen aus dem Stadtteil offenstand und auch von ihnen genutzt wurde. „Aber ich glaube auch, dass ein so lärmbelasteter Stadtteil auch Ruhetage haben muss.“

Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD): „Es wird keine einvernehmliche Lösung geben, dafür sind die Interessen zu unterschiedlich.“ Der Beirat habe sich aber für eine Fortsetzung entschieden – bei einer engeren Begleitung durch Beirat, Polizei und Wassersportverein. Er betonte den kulturellen Wert des Projekts für Hemelingen: „Das hat Strahlkraft weit über Hemelingen hinaus, das sollte man bedenken.“ Zuletzt war Immo Wischhusen mit dem Bürgerpreis Bremen für die "Palette" und sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden.

Kein Verständnis hatte Uwe Jahn dafür, dass die Gegner der „Palette“, die sich über den Lärm beschwert hatten, beim nächsten Tagesordnungspunkt den Saal verließen. Thema: Bahnlärm und geplante Lärmschutzmaßnahmen in Hemelingen.

"Das hat Strahlkraft weit über Hemelingen hinaus" Uwe Jahn, Beiratssprecher Hemelingen

(c) Bremer Tageszeitungen AG, Weser Kurier, 13.11.2017